Wenn einer geht, und einer bleibt
Also gut.
Scooby ist nicht nur mein tierischer Begleiter, Ersatzkuschler und Gesprächspartner – nein, er ist tatsächlich auch ein Seelenheiler. Und ja, vieles lässt sich übertragen. Entschuldigt, wenn ich das immer wieder wiederhole, aber manche Dinge kann man nicht oft genug erwähnen. Vor allem, wenn sie tragfähig sind, wenn sonst gerade wenig trägt. Und das Beste: Scooby ist wieder an meiner Seite.
Wie schon erwähnt, waren meine ersten Versuche, an einen Hund zu kommen, eher lehrreich als sinnvoll.
Wer sich mal eine Lektion über Grenzen, Bürokratie und zwischenmenschliche Missverständnisse mit Fellüberzug geben lassen möchte, dem empfehle ich wärmstens, sich im Tierschutz für Hunde zu bewerben. Möglichst ohne Haus mit Garten und mit komplizierter Lebenslage – das spart Zeit und Illusionen.
Bei Scooby lief das dann ganz anders.
Eine Dame, die eigentlich Tierschutz für Katzen betreibt, inserierte Scooby aus Portugal. Ich war hin und weg, als ich Scooby in einem Video live sehen konnte – wie er zwischen den Beinen von Pferden entspannt die Hufenreinigung begleitete.
Ein Hund, der sich nicht mal von einem Pferdehuf aus der Ruhe bringen lässt – das klang genau nach dem emotionalen Gegengewicht, das ich gerade brauchte.
Den muss ich haben.
Wie der aussieht – mit dem Knick im Ohr, starkem Kopf, athletischer Figur, kurzem glatten Fell mit toller Zeichnung.
Es wurden Videos ausgetauscht. Ich drehte quasi eine kleine Werbekampagne für mein Leben: Wohnung, Menschen, Umland – alles, worauf sich Scooby freuen konnte, wurde dokumentiert. Ich hab noch nie so professionell gefilmt wie damals. Und ja – drei Wochen später stand der Abholungstermin. Schutzhundgebühr, Gesundheitscheck, Kastration, Impfpass – alles parat. Kein Wunder, dass der Hund besser organisiert war als die meisten Menschen in meinem Umfeld.
Mein Sohn begleitete mich.
An der Raststätte der Übergabe standen noch weitere Tierliebhaber mit nervösen Blicken und Hundeleinen in der Hand.
(Bitte an dieser Stelle keine Grundsatzdiskussion über die Herkunft von Hunden. Im Tierheim war ich auch – aber es muss zur Wohnung, zum Umfeld und zum Herrchen passen. Und ich bin jetzt mal ganz ehrlich: Manchmal ist man nicht das perfekte Herrchen für jedes Tier. Manchmal braucht man genau den einen. Und kein Kompromisstier.)
Der LKW ging auf.
Ein paar Hunde wurden nacheinander rausgehoben und an die neuen Besitzer übergeben. Nicht wenigen war wohl in der dunklen Transportkiste übel geworden. Manche hatten sich aus Angst eingekotet, und die meisten ließen das Prozedere mit leicht eingeklemmtem Schwanz über sich ergehen.
Glücklich die, die schon raus durften. Erschöpft die, die noch weiter Richtung Berlin tourten.
Und dann kam Scooby.
Jemand von der Organisation kam auf mich zu, nachdem ich signalisiert hatte, dass der zu mir gehört. Ich ging in die Knie – und Scooby? Der zog mir ohne zu zögern einmal quer die Zunge durchs Gesicht.
Mein Sohn und ich waren begeistert.
Alles klar – hier treffen sich Herz und Seele. Ohne Absprache. Ohne Kennenlernphase. Einfach so.
Wir wanderten noch gut eine halbe Stunde auf dem Parkplatz rum. Der Sprung vom LKW ins Auto sollte mit einer ausgiebigen Pause ausgedehnt werden – das war uns beiden wichtig. Man steigt schließlich nicht direkt aus dem Trauma in die Karre.
Ich hab dann den Fehler gemacht, und bin – statt erstmal nach Hause – direkt zu meiner Freundin gefahren, um ihn stolz zu präsentieren.
Diese schickte mich dann nochmal eine Stunde in den Park, damit Scooby sich erleichtern kann.
Und tatsächlich: Er machte nix. Kein Haufen, kein Pippi. Nichts.
Er wartete.
Auf die Rückkehr in die Wohnung meiner Freundin.
Dort dann – ein ganzer Wassereimer Pippi mitten in den Flur.
Haha. Ich hab so gelacht.
Sie nicht.
Diese Wohnung war ein Tempel der Reinlichkeit. Sauberkeit wurde dort nicht nur gelebt, sie wurde zur Religion erhoben.
Aber ja – inzwischen waren wir wieder mehr oder weniger zusammen. So, dass auch sie den Hund ein bisschen lieben gelernt hatte.
Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste:
Dass später Scooby ihren Platz einnehmen sollte.
Ohne Streit. Ohne Eifersucht.
Einfach durch pure Präsenz.
Ein Hund, der still in einen Raum tritt – und trotzdem alles verändert.
