Zuhause in Scherben

Zuhause in Scherben

Oder: Wenn Unmenschlichkeit zur neuen Hausordnung wird

Eins muss man der Presse lassen:

Wenn sie will, findet sie Schlagzeilen, bei denen selbst Boulevard-Veteranen anerkennend nicken.

Ob Patchwork mit der Familie oder Patchwork mit der Nachbarschaft – irgendwer bastelt sich immer seine Version vom Heldendrama. Schon Suzanne Profiler, eine kluge Profilerin, brachte es einmal so auf den Punkt:

„Es ist immer die gleiche Heldenreise.“

Was sie meint:

In den Tiefen der menschlichen Psyche ist vieles übertragbar – Muster wiederholen sich. Nur die Namen wechseln.

April 2025: Der Artikel, der krachte

Gestern stand ich mit einem Blumenstrauß vor der Tür meiner Nachbarn.

Ja, der Nachbarn. Und ja – einiges, was im Artikel vom April 2025 steht, ist passiert.

Aber: Ich habe diesen Artikel gestern zum ersten Mal gelesen. Und ich musste erst mal schlucken.

Denn bei allem Verständnis für entstandene Sorgen:

Der Text liest sich, als wäre ich ein wandelndes Endstadium mit Terrassenanschluss.

Was fehlt?

Ungefähr alles, was Kontext, Perspektive und Realität betrifft.

Kommunikation – schon mal gehört?

Ich erinnere mich noch an einen Kurs, den ich damals mit meiner ersten Frau besucht habe. Bei einem Pfarrer. Mit seiner Frau.

Thema: Konstruktive Ehekommunikation.

Spoiler: Unsere Ehe hat’s nicht gerettet – aber das Prinzip ist geblieben.

Lösungsorientiert denken. Zuhören. Nicht gleich schreien.

Hat mir im Beruf oft geholfen – im Privatleben leider nicht durchgängig. Denn: Seit mindestens 2023 hat es überhaupt keine Kommunikation mehr mit der Nachbarschaft gegeben.

Ausnahme: die Dame nebenan. Die redet. Danke dafür.

Von außen: Chaos. Von innen: Überleben.

„Zuhause in Scherben“ – klingt dramatisch? Ist es auch.

Jobverlust.

Anzeige-Wahn.

Familiäre Frontlinien.

Eine Insolvenz, die mehr „Privat“ als „Lösung“ war.

Und dann:

Kein Internet. Kein Fernsehen. Kein Geld. Keine Nähe.

Da sitzt man dann.

Allein.

Mit dem System auf der einen Seite.

Und den „Sorgen der Nachbarn“ auf der anderen.

Und ja – man versucht zu kompensieren.

Mit Humor. Mit Widerstand. Manchmal auch mit falschem Timing.

Aber das erklärt kein Arztbrief. Und kein Boulevard-Artikel.

Denn was passiert, hat oft mit tieferliegenden Ursachen zu tun. Und die sind selten medienfreundlich.

Wenn Rasen zur Rufschädigung wird

Mein Lieblingssatz aus dem erwähnten Artikel?

Der mit dem Rasen.

Letzten Sommer längst verbrannt – aber jetzt plötzlich Schadensersatzgrundlage.

Satire? Nein.

Willkommen in Deutschland 2025.

Klärung statt Klatsch

Es hat ein Gespräch gegeben.

Ein echtes.

Mit einer Entschuldigung meinerseits – ehrlich gemeint.

Denn ja, Dinge sind passiert. Und ja, nicht alles war okay.

Aber was nicht okay ist: Wenn man Menschen auf Basis einseitiger Momentaufnahmen öffentlich zerlegt – ohne je gefragt zu haben, was eigentlich los war.

Und die Ursachen?

Die liegen woanders.

Nicht im Vorgarten. Und schon gar nicht beim Nachbarn.

P.S.

Den Bürgermeister würde ich übrigens auch gern mal sprechen.

Aber dann bitte über Dinge, die den Kreis Neuss betreffen.

Und nicht, ob mein Rasen zu laut atmet.

3 Kommentare

  1. Eine Nachbarin

    Puh, das ist schon heftig und ich muss jetzt erstmal überlegen, wie ich reagiere.

    Ja, der Rasen ist verbrannt, aber erst dieses Jahr, weil er aufgrund der Scherben nicht gepflegt werden konnte. Aber das ist jetzt Nebensache.

    Die Situation der Nachbarn war nicht einfach. Es ist richtig, dass keine Gespräche geführt wurden. Der Grund: Angst, weil der Nachbar Möbel und Fenster demoliert und keiner wusste, wie er reagiert.

    Der Blumenstrauß ist toll und das gestrige Gespräch war sehr offen und ehrlich.

    Die Hoffnung ist, dass diese Angst nicht mehr entsteht und dass wir einen Schlussstrich ziehen und eine kommunikative Nachbarschaft aufbauen.

  2. Seien sie sich gewiss, hier fliegt gar nichts mehr durch die Gegend. Ich presse meinen Druck jetzt in die Druckerpresse. Lg

  3. Eine Nachbarin

    Ich habe ein sehr gutes Gefühl 👍

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert