Geht gar nicht, was du machst

Vom Versuch, mich mundtot zu machen – und warum ich trotzdem weiterschreibe

Es gibt Sätze, die brennen sich ein. „Geht gar nicht, was du machst.“ – So ein Satz zum Beispiel. Ursprünglich aus dem Mund eines ehemaligen Personalchefs gefallen, tauchte er in den letzten Monaten immer wieder auf. Mal unausgesprochen, mal als amtliches Schreiben, mal zwischen den Zeilen von AGBs, Gerichtsbeschlüssen oder Hotline-Warteschleifen.

Das Thema Personalchef und Firma ist eigentlich viel zu spannend, um es hier nur am Rand zu erwähnen – allein daraus ließe sich ein eigener Text oder vielleicht gleich eine kleine Serie machen. Hier geht es zunächst um ein größeres Bild: den ganz alltäglichen Wahnsinn im Umgang mit Behörden, Krankenkassen, Kontopfändung und dem systematischen Versuch, Menschen mürbe zu machen.

Dieser Text ist keine Abrechnung. Es ist eine Momentaufnahme. Eine Sammlung von Ereignissen, die sich so absurd anfühlen, dass man lachen müsste – wenn man nicht gerade versuchen würde, die Miete zu zahlen oder ein funktionierendes Konto zu behalten.

Und ja: Ich schreibe trotzdem weiter. Nicht aus Trotz. Sondern weil es sonst keiner macht.

Ich weiß nicht, ob die bisher geschilderten Erfahrungen tatsächlich mit den Hochphasen einer diagnostizierten manischen Episode vergleichbar sind – aber es blieb ja nicht beim glorreichen Insolvenzstart, verursacht durch diese eine unfähige Bank.

Auch das Thema Krankengeld stand längst auf dem Plan. Aufgrund digitaler Übertragungsfehler – wir befinden uns ja inzwischen im Zeitalter der elektronischen Krankschreibungen – wurde ich mit der absurden Situation konfrontiert, angeblich fünf Tage nicht krank gewesen zu sein. Damit galt die Krankmeldung als unterbrochen.

Ich bin irgendwann tatsächlich wie Braveheart, mit blauer Farbe im Gesicht, zur Krankenkasse gestiefelt. Nicht, um Blitze aus meinem Hintern zu schießen oder der Sachbearbeiterin mitzuteilen, sie möge sich den Kopf zwischen die Beine stecken und mich am Arsch lecken – sondern um meinem Gefühl Ausdruck zu verleihen, dass ich mich inzwischen gevierteilt fühlte. Was für eine Odyssee.

Und wieder hieß es: „Darum kümmert sich die Fachabteilung.“

Bis dieser Wahnsinn geklärt war, war es fast November. Ich lebte von Geldern, die ich meiner Exfrau mühsam aus den Rippen geleiert hatte – eine Teilrückzahlung der Mietkaution. Ich wohnte da ja jetzt schon lange nicht mehr.

Dann – wie gesagt – war ich mir sicher, endlich ein funktionierendes P-Konto eingerichtet zu haben. Und pünktlich zum 01.12.2024: Kontopfändung. Guthabenstand: 0. Wahnsinn, wie reibungslos das alles nicht funktioniert.

Also: die nächste Stufe abwärts für mein Nervenkostüm.

Ich kann mich dem Gefühl nicht erwehren, dass man mich bewusst und offiziell für „bescheuert“ erklären wollte – mit anschließender Entmündigung und Sicherheitsverwahrung.

Mein ehemaliger Personalchef – eher eine Mischung aus Mops und dem bösen Zwerg aus Schneeweißchen und Rosenrot – meinte damals nur:

„Geht gar nicht, was du machst. Wir kümmern uns jetzt darum.“

Selbst in der zweiten Instanz beim Arbeitsgericht versuchte er, mich als Psychopathen darzustellen. Ich hätte im Internet gesagt:

„Ich weiß, wo dein Haus wohnt!“

Tatsächlich hatte ich seine Machenschaften satirisch auf Facebook verpackt. Aber wer Angst hat, dass seine schöne Fassade bröckelt, hat wohl einiges zu verbergen – und offenbar auch ziemlich viel Küttel in der Bux.

Vielleicht lohnt sich ja ein Blick auf die Songs, die ich letztes Jahr veröffentlicht habe – an die 80 Stück. Alle lizenziert, die Nutzungsrechte ordnungsgemäß gekauft. Vielleicht war das eine hypomanische Episode – oder einfach ein Moment, in dem ich nach langer Zeit wieder Lebensfreude empfand. Statt gegen die Wand zu starren, hatte ich mit Freunden aus dem Internet Spaß an Lovesongs, am Austausch, am Musikmachen. Natürlich verpackte ich in einigen Liedern auch Erfahrungen – mit narzisstischen Firmenbossen, krankhaftem Verhalten, oder der ein oder anderen Exfrau.

Aber gewisse Personen fühlten sich – mal wieder – auf den Schlips getreten. Obwohl alles eher humoristisch verpackt war.

„Geht gar nicht, was du machst“, denke ich gerade wieder. Aber immerhin: Ich habe die Entmündigung abwenden können. Und den Rausschmiss aus der Wohnung ebenfalls.

Meine Internetpräsenz, auf der ich letztes Jahr begonnen hatte, all den Schwachsinn öffentlich zu benennen, ist wie durch Zauberhand zweimal gegen die Wand gefahren – obwohl das Konto brav die nötigen 3,50 € Deckung aufwies. Die erste Reaktivierung funktionierte noch, die zweite dann nicht mehr. Plötzlich wollte man für die Template-Nutzung 80 Euro haben. Und das schöne Titelbild mit der Rückenansicht? Auch verschwunden.

Zur Erinnerung hier ein Screenshot.

Und jetzt?

Jetzt schreibe ich Klartext. Ich benenne die Schwachsinnigkeiten, die mir in vielfältiger Form entgegengeschlagen sind – beim Namen.

Denn: Jeder kennt jeden. Keiner ist allein.

Und ich habe inzwischen so oft wegen Lappalien im Bunker gesessen, dass mein Konto für offene, ehrliche Meinungsdarstellung ausreichend gedeckt ist.

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