Was passiert, wenn man nicht aufhört, sich zu wehren.
Wenn wir einmal das Thema Fahrzeugführung und Führerschein weglassen – diesen beliebten Stellvertreterkrieg, der sich so herrlich eignet, um Charakterfragen in Ordnungswidrigkeiten zu verpacken – und uns stattdessen den wirklichen Problemen zuwenden, den leisen, zähen Begleitern, die einen Menschen mit meiner Lebenserfahrung über Jahre nicht loslassen wollen …
… dann stehen da nicht Verkehrsverstöße im Raum, sondern Verluste.
Nicht Paragraphen, sondern Erschöpfung.
Nicht Straftaten, sondern stille Rückzüge.
Dann geht es nicht darum, ob ich ein Auto führen kann, sondern ob ich mich selbst noch führen kann – nach Jahren der familiären Frontlinien, der seelischen Rückschläge, der therapeutisch begleiteten Innenbetrachtung. Und wie es ist, in einer Welt zu leben, die auf Funktionieren programmiert ist, während man selbst manchmal gerade noch aufrecht steht.
Aber das steht natürlich in keinem Bußgeldkatalog.
Nachdem wir also festgestellt haben, dass es kaum genetische Voraussetzungen für Bipolarität gibt – stattdessen aber eine recht aufschlussreiche Familienanamnese: vier Kinder von zwei Frauen, ergänzt durch den bekannten Psychoterror, der beim Amtsgericht täglich rein- und rausmarschiert wie ein schlechter Witz mit Aktendeckel …
… haben mich viele kennengelernt als einen Menschen, der mehrfach im Hochwasser des häuslichen Kleinkriegs untergegangen ist, der diverse Klinikaufenthalte hinter sich hat – und der, man glaubt es kaum, eigentlich aus einer sehr intelligenten Familie stammt.
Einen, der viele Jahre in therapeutischer Begleitung unterwegs war, um immer wieder in sich selbst hinabzusteigen und zu reflektieren, wo die eigenen wunden Punkte liegen.
Wo’s zieht.
Wo’s fault.
Wo’s zuckt, wenn man dagegenstößt.
So ein Mensch – da sind sich viele offenbar einig – muss ja komplett verblödet sein.
Wie sonst ließe sich der Vulkanausbruch der letzten Monate erklären?
Ich verweise in diesem Zusammenhang gern noch einmal auf die Anamnese meines letzten psychologischen Gutachtens.
Und ich stimme zu:
Wer in einer Welt, die längst zur exponentiellen Gesellschaft mutiert ist – geprägt von Ellenbogenmentalität, Neid, Überheblichkeit und Dauerarroganz – ernsthaft vier Kinder in die Welt setzt, der muss wirklich wahnsinnig sein.
Und wenn man dann – nach Jahren des Überhörens, Wegschauens und inneren Verstummens – beginnt, seine Sichtweisen öffentlich zu machen, sei es in persönlichen Texten, in Erfahrungsberichten auf eigenen Webseiten oder in Songs, die nicht auf Hitparaden, sondern auf Hirn und Herz basieren, dann gilt das natürlich:
Es darf nicht sein, dass Menschen, die regelmäßig auf die Fresse bekommen haben, im Internet irgendwann ihre Sichtweise der Dinge veröffentlichen.
Da werden Maßnahmen konstruiert, um genau das zu verhindern.
Denn: „What happened at the party, stays at the party“ –
das ist das Motto derjenigen, die die Verantwortung für eigenes Fehlverhalten gern auf jene abwälzen, die nicht wegschauen – und darüber berichten.
Wenn der Bumerang dann zurückkommt, werden selbstverständlich nicht die Verursacher, sondern die „Verräter“ für die Scheiße verantwortlich gemacht, die dabei hochkommt.
Ihr könnt mich noch so oft in den Bunker schmeißen.
Und ja – das ist im letzten halben Jahr dreimal passiert.
Ich werde meine Geschichten erzählen.
Denn Wahrheit findet ihren Weg.
