Bella, Banken & andere Zumutungen

Eine persönliche Abrechnung darüber, was passiert, wenn man nicht nur Schulden, sondern auch Wahrheiten offenlegt – und warum das Umfeld oft allergischer auf Ehrlichkeit reagiert als auf Insolvenz.

Nun, um die überraschend enge Nähe zwischen Bankangestellten und Verona Poth (vormals Feldbusch) einmal deutlich zu machen, kehren wir zurück zum Thema Privatinsolvenz – jenem sanften Schleudergang der bürgerlichen Biografie, den nicht nur ich derzeit durchlebe, sondern auch gleich mehrere meiner Lebensabschnittsgefährtinnen bereits hinter sich haben.

Meine erste Ehefrau zum Beispiel – von edler Gestalt und wirtschaftlichem Leichtsinn – wollte sich gemeinsam mit ihrem damaligen Partner in der Gastronomie selbstständig machen. Eine glorreiche Idee, die am Ende in 100.000 Euro Schulden mündete. Der Freund verschwand, das Geld gleich mit. Ich trat auf den Plan – jung, verliebt, etwas naiv – und fand mich kurze Zeit später als offizieller Mitschuldner wieder. Die Bank meldete sich zur Eheschließung höflich, aber unmissverständlich: „Sie übernehmen dann selbstverständlich die Verbindlichkeiten Ihrer Frau.“

Ja, Banken lieben klare Verhältnisse. Recht und Gerechtigkeit? Eher Themen für eine Imagekampagne. In dieser Hinsicht wird Verona Poth wohl zustimmen können – auch sie wurde seinerzeit öffentlich in Mithaftung für Vorgänge genommen, mit denen sie faktisch wenig bis gar nichts zu tun hatte. Außer eben: Sie war verheiratet. Willkommen im System.

Dabei halte ich Frau Poth – so sehr sie sich im Fernsehen als tapsig-liebenswürdige Kicherblume inszenierte – für deutlich intelligenter als so manch selbsternannte Neureiche, die ihren gesellschaftlichen Aufstieg einzig einem Erbe verdankt und nun glaubt, sie habe das Leben begriffen.

Apropos Lebensspiele: Nach dem Beziehungs-GAU mit meiner zweiten Exfrau trat Bella in mein Leben. Kollegin in meiner japanischen Firma, Königin unter den Reissorten, schillernd wie ein Werbeprospekt – und dabei erstaunlich echt. Am Anfang: Seelenverwandtschaft. Alles passte. Arsch auf Eimer, wie man so sagt.

Bis dann ihre Freundin Madame Meerbusch die Bühne betrat – ein Mensch, bei dem man das Gefühl nicht loswird, dass Lebensfreude nur funktioniert, wenn andere darunter leiden. Offenbar störte es sie zutiefst, dass Bella in unserer Beziehung aufblühte. So sehr sogar, dass sie bei einem Besuch Bellas Tochter zur Seite nahm – das Kind war damals zwölf – und flüsterte: „Lass uns mal überlegen, was wir anstellen können, um Aaron wieder loszuwerden.“

Wie bitte? Hat die sie noch alle? Wie kann man seine Eifersucht auf die Beziehung der Freundin auf deren Kind übertragen? Was für ein dreckiges Spiel.

Im Verlauf der wenigen Jahre mit Bella war dann wohl auch Funkstille gewesen. Die Geschichten über ausgiebige, teils gleichzeitige Sexpraktiken mit unterschiedlichen Männern entsprachen zu dieser Zeit zum Glück auch nicht meiner Lebensgefährtin Bella.

Leider – Romanzen, die zu schön sind, um wahr zu sein – veränderte sich Bella auch in unserer Liebesgeschichte über die Jahre. So kam es, dass kurz vor dem Ende, 2022, Madame Meerbusch wieder auftauchte.

Irgendwie verstehe ich sogar Bella. Sie hatte mir über viele Jahre – nicht immer, aber oft – zur Seite gestanden, wenn es mir schlecht ging. Aber wer will schon mit einem joblosen Vater von vier Kindern zusammen sein? Das ist einfach nur anstrengend. Madame Meerbusch hatte da wohl wieder einmal mehr zu bieten.

Dass ich diese und andere Erfahrungen im letzten Jahr in KI-generierten Songs verarbeitet habe, stieß nicht überall auf Begeisterung. Einige Kommentare waren derart giftig, dass ich ernsthaft überlegte, ob der Algorithmus womöglich zu nah an der Wahrheit komponiert hatte.

Und Bella?

Sicherlich ein Sonderthema. Denn in meiner Welt ist inzwischen sämtliches Vertrauen in Gefühle und aufrichtiges Miteinander gebrochen.

Wem kann man noch vertrauen, wenn die eigenen Gefühle – und wie andere damit umgehen – am Ende nur wie eine weitere Inszenierung wirken? Ein Trugbild. Eine Bühne. Mit Applaus nur für die Falschen.

Fazit:

Am Ende bleibt die Erkenntnis: Wer es wagt, die Dinge beim Namen zu nennen – wer nicht nur seine Schulden, sondern auch seine Geschichten offenlegt – bekommt selten Beifall. Stattdessen gibt’s Gegenwind. Mal aus der Bankfiliale, mal aus dem Freundeskreis, manchmal aus dem eigenen Bett.

Denn die Abrechnung, die wirklich wehtut, ist nicht die der Gläubiger – sondern die, die beginnt, wenn man ehrlich wird. Ehrlich zu sich selbst. Ehrlich zu anderen. Und ehrlich genug, aus all dem kein Märchen mehr zu machen.

Die Wahrheit ist unbequem. Sie passt in keine Imagekampagne, und schon gar nicht in das harmoniesüchtige Theater unserer Sozialbeziehungen. Aber sie verdient ihren Platz. Auch – und gerade – wenn sie Verluste mit sich bringt.

Denn wer immer nur zahlt, ohne jemals aufzulisten, was ihm selbst genommen wurde, hat längst schon verloren. Nicht finanziell – sondern menschlich.

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