Zwischen Taktgefühl und Trauma

Wenn Musik gefährlich wird.

Was passiert, wenn ein Mensch sich wehrt – gegen Ignoranz, Ausgrenzung und die stille Gewalt durch Institutionen? Wenn er seine Stimme erhebt, statt zu verstummen, und damit genau das triggert, was niemand hören will?

In diesem Text erzähle ich von einer Zeit, in der Musik zur Gefahr erklärt wurde, weil sie Wahrheiten aussprach. Von Nachbarn, die sich zusammentaten, um einen Menschen zu isolieren. Und von einem System, das nicht helfen, sondern brechen wollte.

Es geht nicht um persönliche Kränkungen. Es geht um das nackte Überleben in einer Welt, die den Boden unter deinen Füßen wegzieht – nur weil du aufgehört hast, dich anzupassen.

Tatsächlich kam dann die Zeit von KI-Sound. In den Monaten verarbeitete ich meine Erlebnisse in Songtexten, machte mir bewusst, dass es in den vergangenen Jahren nie um meine Bedürfnisse gegangen war, sondern um den ewigen Kampf, genug zu leisten, um wirklich geliebt zu werden.

Dabei ging es in den Liedern oft um tiefe Emotionen und Erfahrungen – um Momente, in denen ich mich angekommen fühlte, aber auch um Schuldzuweisungen, Ausgrenzung und das damit verbundene Unverständnis gegenüber toxischem Erleben. Mal idealisierend, mal kalt und giftig. Ein widersprüchlicher Kosmos, an dem ein empathischer Mensch zerbrechen kann – solange er glaubt, er könne den anderen retten. Und nein, das hat nichts mit bipolar oder irgendeiner Diagnose zu tun – von wegen zwei Seiten einer Persönlichkeit. Es geht nicht um innere Zerrissenheit, sondern um die Darstellung des toxischen Spiels kranker Persönlichkeiten, die gezielt mit Verzerrung und Verwirrung arbeiten. Die dich in Frage stellen, bis du dich selbst verlierst. Die dich langsam, aber sicher kaputt machen – und am Ende dastehen, als wären sie nie Teil des Problems gewesen.

Wie schon zuvor beschrieben, machte ich auch innerhalb der Gruppe Musik – gemeinsam, kreativ, verbindend. Doch in meinen eigenen Songs arbeitete ich an meinen persönlichen Themen. Und scheinbar war nicht die Musik zu laut – sondern das, was deren Inhalt widerspiegelte.

Für diejenigen, die sich in meinen Liedern bloßgestellt fühlten, war meine nunmehr offene Kommunikation, vorsichtig ausgedrückt, peinlich. Peinlich, weil natürlich jeder jeden kennt, und man sich zumindest in meinem näheren Umfeld zusammenreimen konnte, wer gemeint war – auch wenn keine realen Namen fielen.

Oder besser gesagt: Es war zutiefst verletzend – in ihrer Eitelkeit. Als würde ich ihnen die Maske vom Gesicht zerren.

Und als würde die Stimme meines alten Personalchefs wieder aufpoppen: „Da kümmern wir uns jetzt drum“, begann der Terror in meinem Umfeld von Neuem. Ich erinnerte mich an Madame Meerbusch, die Bankmitarbeiterin aus derselben Stadt. Oder eben an jenen Personalchef, der mir drohte, ich dürfe nicht über Mitarbeiter öffentlich im Internet schreiben. Komisch, dass ausgerechnet solche Erinnerungen wieder aufkommen, wenn alles, aber auch alles gegen die Wand läuft – ohne dass man irgendwelche sauberen Argumente hätte.

Der ganze, schon in anderen Blogs beschriebene Wahnsinn begann erneut: Banken, die P-Konten sperrten oder pfändeten. Die Krankenkasse. Das Arbeitsamt. Alle verweigerten mir plötzlich die Existenzsicherung. Ich stand am Beckenboden der Würde.

Die Anzeigen der Nachbarn wiederholten sich im Wochentakt. Weil man nicht mit mir sprach, sondern mich als Amokläufer bezeichnete. Und als Höhepunkt nahm man mir – wie schon erzählt – den Hund weg. Mit der Begründung, er hätte kein Wasser im Napf.

Ich fing an, mich zu wehren. Ich berichtete meine Erfahrungen in Online-Kolumnen auf einer Webseite. Ich war wütend – nicht, wie manche gerne unterstellen, weil ich die Trennung von Bella in narzisstischer Kränkung nicht ausgehalten hätte. Nein, ich war wütend, weil sich alles und jeder gegen mich verschworen zu haben schien.

In meinem Ort wurde sogar eine Petition gegen mich gestartet.

Narzissten drehen durch, wenn sie bloßgestellt werden – obwohl es ihnen in der Außenfassade scheinbar gut geht. Ich aber war nicht nur sauer. Ich ruderte wie ein Nichtschwimmer vor dem Ertrinken.

Hier ging es nicht um eine verflossene Liebe. Es ging um nackte Existenzangst, wenn man durch das soziale Auffangnetz fällt – ein Netz, das eigentlich der Gesetzgeber auf Basis von Menschenwürde und Grundsicherung installiert hat.

Deshalb begann ich, sämtliche Peinlichkeiten öffentlich zu machen. Ob von Ex-Partnern, Nachbarn oder ehemaligen Kollegen – ich stellte sie ins Netz. Vielleicht war das der eigentliche Grund, warum man mich schließlich für verrückt erklären wollte. Denn sowohl das Gericht als auch der Psychologe aus dem Gutachten hatten offenbar nur noch eins im Sinn:

Wegsperren. Mundtot machen.

In dieser Zeit kam es auch zu den von Presse und Nachbarn öffentlich gemachten Implosionen innerhalb meiner Wohnung. Man sprach darüber, flüsterte, zeigte mit dem Finger – und doch fühlte ich mich wie eine zertrennte Küchenschabe, die einfach nicht sterben will.

Etwas in mir war nicht totzukriegen. Und genau in dieser dunklen Phase verlor ich meine Angst. Die Angst, mich Menschen entgegenzustellen, die ihre Macht missbrauchten – ob durch Sprache, durch Schweigen oder durch ihre Position. Ich hatte in Bunkern gesessen, eingesperrt wegen absurder, lächerlicher Vorwürfe. Einschüchterung als System. Doch rückblickend waren es genau diese Einschüchterungsversuche, die mich stärker machten. Nicht, weil sie leicht zu ertragen waren – sondern weil ich überlebt habe. Und weil ich mich nicht mehr klein machen lasse.

Irgendwann hatte ich die Songs aus dem Netz genommen. Vielleicht, weil ich selbst verunsichert war, wie sehr man mich damit angefeindet hatte. Aber jetzt – nachdem man mir die letzte Würde nehmen wollte – habe ich sie wieder online gestellt. Damit jeder sich sein eigenes Bild machen kann.

Und auch die Berichte über Nachbarn oder meine Firma, die ich im vergangenen Jahr publik gemacht habe, werde ich wieder aufgreifen. Diesmal in einer passenderen Form.

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