Warum ich irgendwann nur noch nachts unterwegs war – und was wirklich zurückblieb.
Manchmal merkt man erst, wie tief man gefallen ist, wenn der Boden aufhört, nachzugeben.
Nach der Zeit bei der Leasingfirma dachte ich, es könne nicht schlimmer kommen.
Ich hatte funktioniert, geschuftet, ausgeglichen, mitgedacht – mehr gegeben, als je verlangt wurde.
Und am Ende stand ich da, mit leeren Händen.
Was folgte, war keine Phase der Neuorientierung.
Es war der Beginn einer dunklen Zeit.
Einer, in der ich mich selbst zu verlieren begann.
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Und dann steht man wieder da.
Leer. Erschöpft. Und doch hellwach – viel zu wach für eine Seele, die eigentlich nur noch schlafen will.
Wenn ich heute zurückblicke, dann sehe ich jemanden, der sich beruflich bis zur völligen Erschöpfung aufgerieben hat.
Ich hatte mich nicht nur eingebracht – ich hatte mich aufgegeben.
Nicht, weil ich Anerkennung suchte. Sondern, weil ich gehofft hatte, mir irgendwie eine neue Chance zu erarbeiten. Wieder Fuß zu fassen. Raus aus der Arbeitslosigkeit, raus aus dem Wartestand.
Aber was ich erlebte, war ein System aus Verantwortungslosigkeit und Druck, das auf dem Rücken derjenigen ausgetragen wurde, die es eigentlich am Laufen hielten.
Da saßen Menschen in Leitungsfunktionen, die ihr eigenes Scheitern lieber auf Mitarbeitende abwälzten.
„Du musst die Leute vor den Karren spannen“, hieß es – ein Satz, der sich eingebrannt hat.
Nur: Ich hatte keine disziplinarische Verantwortung. Keine Entscheidungsgewalt.
Ich sollte führen, ohne führen zu dürfen.
Und wenn’s hakte, war ich der Fehler.
Ich war bereit, Verantwortung zu übernehmen.
Ich war bereit, über das Erwartbare hinauszugehen.
Aber was ich zurückbekam, war kein Vertrauen – sondern Druck. Kein Miteinander – sondern ein System, das von innen zerfiel und von außen zusammengehalten wurde.
Mit Zahlen. Mit Angst. Mit Schuldzuweisungen.
Als ich ging – war ich leer.
Und das war nur der Anfang.
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Die Monate danach waren geprägt von einer seltsamen Mischung aus Reflexion und Resignation.
Ich fühlte mich entwertet. Ausgenutzt.
Ich hatte viel mehr getan, als ich je musste – und doch war ich der, der am Ende nichts mehr hatte.
Keinen Job. Keine Perspektive. Keine Liebe.
Denn auch Bella war nicht mehr da, obwohl ich sie gerade jetzt am meisten gebraucht hätte.
In dieser Zeit war mein Hund Scooby mein einziger Anker.
Nachts fuhren wir los, ohne Ziel. Ich suchte Orte, an denen ich mich früher lebendig gefühlt hatte.
Aber alles, was ich fand, war Leere.
Erinnerungen, die wehtaten. Und eine Stimmung, die sich langsam in mir festsetzte wie kalter Rauch.
Ich versuchte, loszukommen von Bella.
Aber wie kommt man los von jemandem, der einem einmal alles bedeutet hat?
Also gab ich meiner Abhängigkeit nach ihrer „Liebe“ wieder nach und rief sie an. Ich hörte ihre Stimme. Ich klammerte mich an jedes Wort.
Und doch war nichts mehr wie früher.
„Ich liebe dich, aber ich kann nur noch freundschaftlich für dich da sein.“
Ein Satz, der mich innerlich zerriss.
Denn ich war der, der noch hing. Der sich bemühte. Der nach Zeichen suchte.
Aber ihre Worte und ihr Verhalten passten nicht mehr zusammen.
Und ich rutschte weiter ab.
Tiefer.
In einer Stille, die nicht mehr schützte – sondern auffraß.
Ich fuhr nachts, stundenlang, mit Musik in den Ohren und Scooby auf dem Beifahrersitz.
Die Autobahnen wurden zu endlosen Gedankenketten.
Und während ich innerlich immer weiter taumelte, kamen von außen die nächsten Tiefschläge:
Blitzer. Gelbe Briefe. Rechnungen.
Der Alltag lauerte hinter jeder Raststätte wie ein Feind, der genau wusste, wo es am meisten wehtat.
Ich wollte doch nur anhalten.
Mich sortieren.
Neu anfangen.
Aber jedes Mal, wenn ich versuchte aufzustehen, kam der nächste Tritt.
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Und so blieb am Ende nur noch die Stille.
Diese Stille, in der kein Trost mehr lag.
Kein Frieden.
Nur noch ein dumpfes Echo aus Fragen, Schuld und Enttäuschung.
Die Nächte, die mir einst halfen, durchzuatmen, wurden mit der Zeit zu einem düsteren Sog.
Zu einem Tunnel, aus dem ich keinen Ausgang mehr fand.
Und ich sollte nicht erwachen –
denn es war kein Traum.
Die Stille der Nacht wurde zum Albtraum.
Und sein brutaler Höhepunkt war der Moment, in dem ich plötzlich als Amokläufer angezeigt wurde.
Ein Wort, das alles sprengte.
Ein Etikett, das nicht nur verletzte, sondern vernichtete.
Es war nicht nur ein Schlag – es war ein Verrat an dem Menschen, der ich bis dahin war.
Und alles, was danach kam, sollte nicht mehr still sein.
