Die Providaverfilmung

Warum es keine gute Idee ist, mit Liebeskummer Ducati zu fahren

Vielleicht erzähle ich einfach mal, wie das damals war – mit der sogenannten Providaverfilmung.

Es war mal wieder so weit: Die Streitereien mit meiner Freundin Bella sorgten – wie schon so oft – für neue Katastrophen.

Der Anlass? Wieder einmal meine Besuche bei Tessa, meiner Exfrau, und den Kindern.

Trotz allem, was in unserer Ehe passiert war – ein echter Super-GAU zum Schluss – war es mir später wichtig, nicht dieselben Fehler wie bei meiner ersten Exfrau zu wiederholen. Kein Kontakt, Kinderübergaben an der Tür ohne Blickkontakt – all das wollte ich diesmal anders machen. Aber das erfordert Selbstreflexion, Verständnis und vor allem den Wunsch, sich trotz aller Brüche wieder menschlich zu begegnen.

Bella dagegen blockte immer wieder ab. „Dann geh doch zurück zu Tessa!“sagte sie – wütend, verletzt, stur. Sie konnte oder wollte nicht akzeptieren, dass man manche Erfahrungen nicht auslöschen, aber vielleicht irgendwann einordnen und abschließen kann. Und dass aus Schmerz auch etwas Neues entstehen darf.

Alle Versuche, Bella klarzumachen, was sie mir bedeutet – und welche Vereinbarungen ich im Umgang mit Tessa einhalten wollte – liefen ins Leere. Wurde abgetan, abgewertet.

Tja, wer sich nicht festlegt, kann die gleiche alte Triade immer wieder runterrattern: Du warst zu lange dadu hast keine Struktur mit den Kinderndu bist nicht klar – und so weiter, und so weiter. Wenn die emotionale Blockade einmal hochgezogen ist, hilft kein Durchkommen.

Mein Wochenende war also schon am Freitag im Sack. Bella wollte mich nicht sehen – wieder beleidigt. Tessa und die Kinder wollte ich dann auch nicht besuchen, um nicht noch zusätzlich Öl ins Beziehungsfeuer zu gießen.

Das Wetter? Naja. Bewölkt. Also kein richtiges Motorradwetter.

Aber ich schob die Ducati trotzdem aus der Garage und beschloss: Komm, fahr ins Bergische. Vielleicht wird der Kopf dabei frei.

Ich tuckerte also bedrückt mit 90 km/h über die Autobahn. Kein richtiger Spaß, keine echte Ablenkung. Also der Plan: Fahr ins Café Hubraum, trink einen Kaffee, sammel dich.

Da saß ich dann. Verfluchte den schwachsinnigen Streit mit Bella, verteufelte mein Liebesleben, fühlte mich hundeelend.

Der Kaffee war irgendwann leer, mein Kopf voll – mit Koffein, Nikotin und dem üblichen emotionalen Müll. Ich beschloss: Fahr nach Hause.

Jeder Motorradfahrer kennt die Strecke vom Hubraum Richtung Autobahn: eine langgezogene, breite Straße, die sich durch die Landschaft schlängelt.

Nach einem kurzen Blick in den Rückspiegel beschleunigte ich. Nicht übertrieben – aber kräftig genug, um das Grummeln in mir zu übertönen. Ich wusste: Hinter dem Kurvenknick stehen gern mal Blitzer, also zügelte ich mich gleich wieder.

Zuvor hatte ich im Spiegel eine kleine Maschine gesehen – die plötzlich neben mir fuhr, als ich die Spur wechselte. Ein zu schneller Kollege? Ich wollte ihm nicht im Weg stehen, also ließ ich ihn vorbei, vor mir schlich ein Auto dahin.

Dann hielt der Kollege plötzlich exakt meine Geschwindigkeit im toten Winkel – was mir zunehmend auf den Keks ging.

Also zog ich wieder raus und beschleunigte kräftiger. Ich wollte einfach nur weg – weg von der Situation, weg vom Stau in meinem Kopf. Nach drei, vier Kurven: Blaues Blitzgewitter im Rückspiegel.

Na toll. Das passt jetzt auch noch ins Bild. Ich hielt an.

Der Motorradpolizist stieg ab, grinste und sagte trocken: „Du fährst aber ganz schön scheiße.“ – während er meine Personalien aufnahm.

Danach tuckerte ich noch deprimierter mit 90 km/h zurück nach Hause.

Was dabei raus kam? Ein Monat Fahrverbot.

Und natürlich die dazu passende Einlassung meines zwergwüchsigen Ex-Personalchefs: „Du fährst demnächst Kinder tot.“

Klar. Wahrscheinlich kreuzen auf genau dieser Strecke – ohne Haus, ohne Baum, ohne irgendwas – täglich Schülerschwärme auf dem Weg zum Ponyhof.

Ich will gar nicht uneinsichtig sein. Aber man darf manchmal auch die Kirche im Dorf lassen.

Und hier zeigt sich letztendlich, woher ich meine Meinung habe:

Wer so ein Monster bewegt, muss klar im Kopf sein.

Keine Alkoholtour am Vorabend.

Keine stressigen Beziehungsprobleme, die einen geistig ablenken.

Nicht mit den Händen – sondern immer mit dem Kopf am Gas.

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