Wie eine Bank das Insolvenzverfahren zum Schleudergang macht
An anderer Stelle habe ich schon klargemacht: Der Start meiner Privatinsolvenz war nicht irgendein Akt der Befreiung, sondern der finale Dominostein in einer Kette eskalierender Katastrophen.
Aber gut – irgendwann ist halt Schluss mit lustig. Oder mit Konto.
Also, stellen wir uns das mal vor: Alle Vorbereitungen sind getroffen, sämtliche Formulare mit Blut, Schweiß und Druckerpatrone ausgefüllt – und dann heißt es: Das Verfahren ist eröffnet.
Aber bis dahin – Spoiler – läuft’s nicht wie im Werbespot der Verbraucherzentrale.
Man schleppt sich zur Schuldnerberatung, bekommt dort eine freundliche Dame zugeteilt (Typ: Verwaltungsengel mit Nerven aus Papier), die einen durch das Dickicht aus Gläubigern, Formularen und Finanzamtsprotokollen lotst. Sie sagt: „Ein P-Konto ist wichtig. Unbedingt. Ganz, ganz wichtig.“
Ein P-Konto also – so eine Art Konto mit eingebautem Selbstschutz, das du nicht überziehen kannst, das dir aber wenigstens das Existenzminimum lässt. Also theoretisch.
Ich mache also im April 2023, was man mir rät: Neues Konto eröffnen, alte Bank abwickeln, Kredit in Absprache (!) gegen die Wand fahren. Miete, Unterhalt, Telefon – das sind die Prioritäten. Und, klar, der GEZ-Beitrag. Das ist in Deutschland wie Sauerstoff – gibt’s auch nicht kostenlos.
Dann kommt der große Moment: Juli 2024. Verfahren eröffnet.
Ich bekomme weiter Krankengeld – ja, auch das noch. Parallel läuft noch die Nummer mit der Anzeige wegen angeblichen Amoklaufs. Ein anderes Thema. Andere Eskalationsstufe.
Am 30. Juli stehen rund 2.000 Euro auf meinem Konto – pfändungssicher, laut offizieller Tabelle. Aber plötzlich: Konto gesperrt. Karte eingezogen.
Ich frage bei der Bank nach. Die sagen: „Fragen Sie den Insolvenzverwalter.“
Der sagt: „Das liegt bei der Bank.“
Ich sage: „Ihr wollt mich doch verarschen.“
Irgendwann lande ich bei einer gewissen Frau Krüger – ich nenne sie so, weil ich sonst was anderes sagen würde. Sie erklärt mir am Telefon (und schriftlich), mein Konto sei kein P-Konto – deshalb gesperrt.
Wie bitte?
In Kaarst und Neuss hatten mir zwei andere Damen hoch und heilig versichert: „Doch, das ist eins. Und mit erhöhter Grenze wegen Unterhalt.“
Ich habe die Unterlagen. Gestempelt. Kopiert. Sortiert. Ich druck sie demnächst auf T-Shirts.
Die Schuldnerberatung zuckt ratlos mit den Schultern – anscheinend ein Sonderfall. Ich nenne es: Alltag.
Ich hab mal im Konzern gearbeitet. Lean Six Sigma, Prozessoptimierung, Kundenfokus.
Da tankt man den Flieger, bevor man startet.
Hier scheint das Modell eher zu lauten: Fliegen wir mal los und gucken, wie weit wir mit Restbenzin kommen.
Frau Krüger, unsere Servicebeauftragte des Grauens, aus dem Kompetenzcenter in Meerbusch für übermäßigen Kommerz, empfiehlt mir schriftlich, ein neues P-Konto bei einer anderen Bank zu eröffnen – damit meine pfändungsfreien Einkünfte auch irgendwo landen.
Ich würde ja lachen, wenn mir nicht gerade das Konto gesperrt worden wäre.
Ich stiefele also zurück zur alten Bank. Vielleicht sitzt dort ein Mensch mit einem Rest Realitätssinn.
„In 14 Tagen haben wir einen Termin frei“, sagen sie.
Für die Eröffnung eines Kontos.
Ich wiederhole: Konto. Nicht Hypothek. Nicht Unternehmensgründung. Ein verdammtes P-Konto.
Ich warte also. Zähneknirschend. Währenddessen rauscht mein Leben weiter in Richtung Ruine: Miete nicht bezahlt. Unterhalt blockiert. Telefon abgeschaltet. Und nichts mehr zu rauchen – was, wie wir wissen, das wahre Ende der Würde ist.
Dann der große Tag. Ich sitze im Termin, will alles klären.
Die Dame, freundlich, aber am Limit: „Wir können kein P-Konto eröffnen. Es besteht bereits eines bei einer anderen Bank.“
Ich dreh durch.
Frau Krüger, irgendwo zwischen Paralleluniversum und Reality-TV, hatte also nicht nur Mist erzählt – sie hatte mir auch noch monatelang mein Einkommen blockiert.
Was folgte, war eine kafkaeske Odyssee aus E-Mails, Kündigungen, Rückfragen und Gesprächen mit einer Schuldnerberatung, die selbst nicht wusste, ob sie lachen oder weinen soll.
Irgendwann, Wochen später, hatte ich dann ein funktionierendes P-Konto.
Das eingefrorene Geld – mein Geld – blieb verschwunden.
Und so starte ich also meine Privatinsolvenz mit frischen Schulden: Der Telefonanbieter kappt das Internet. Briefe flattern rein. Mahnungen wie Monatsmagazine.
Nachklapp für Fortgeschrittene:
Privatinsolvenz ist kein Neuanfang, sondern ein Crashkurs in institutioneller Erniedrigung.
Man ist kein Schuldner, man ist ein Fehler im System.
Und das System hat keine Ahnung, wie man mit einem Fehler umgeht – außer ihn zu blockieren.
Vielleicht – man weiß es ja nicht – ist es so, dass die freundliche Dame Frau Krüger aus Meerbusch eine Freundin der Freundin aus Meerbusch meiner Exfreundin ist.
Und dass hier ganz andere Ursachen zum Tragen gekommen sind.
Denn ich kann mir beim besten Willen nicht erklären, wie es einer Bank – einer Finanzinstitution mit Standards, Prozessen und angeblich geschultem Personal – nicht gelingt, einen absolut üblichen Vorgang wie die Eröffnung eines P-Kontos korrekt durchzuführen.
Warum ich zu dieser Mutmaßung komme?
Das ist wiederum eine ganz eigene Geschichte..
