Was man so denkt, wenn einer mit der Panigale vorrollt
Der aufmerksame Leser hat’s vielleicht schon irgendwo zwischen den Zeilen gelesen: Ja, ich hatte mal eine Ducati. Panigale. Rotes Biest. Meine war schwarz. Und jetzt kommt natürlich sofort die Rechenmaschine im Kopf: „Vier Kinder, Unterhalt, Privatinsolvenz – und dann so ein Motorrad?“
Bipolar, klar. Größenwahn lässt grüßen. Wer so denkt, ist nicht allein.
Aber gut, dann hier eben mal die andere Perspektive.
Eine gebrauchte Panigale bekommt man – entgegen dem Hochglanz-Vorurteil – auch schon für 15.000 Euro. Und ganz ehrlich: Wenn du sonst nicht mehr viel zu lachen hast im Leben, weil ein Großteil deines Einkommens direkt für Unterhalt draufgeht, dann suchst du dir halt Leidenschaften, die helfen, das alles irgendwie auszuhalten.
Ducati hin oder her – ab 1000 Kubik fängt der Spaß auf zwei Rädern sowieso erst richtig an. Jeder Mopedfahrer hat sein Traumbike. Das hat nichts mit Neid, Protz oder Selbstinszenierung zu tun. Wer einmal auf dem Sack Muscheln – also auf der Panigale – gesessen hat, der kriegt das Dauergrinsen unterm Helm kaum noch raus. Und das bleibt.
Andere hauen zwei Mal im Jahr 8000 Euro für Urlaub raus. Ich hab das Ding halt finanziert. Fast schon ’ne Kapitalanlage. Und schön sind die Maschinen obendrein. Eine Ducati ist nicht nur Maschine – sie ist Skulptur, Geschichte, ein Stück Rennsport auf der Straße.
Ja, die Diskussion um den Lärm kennt man. Eingetragen mit 104 Dezibel, gesetzlich erlaubt sind nur 98 – das nervt viele. Verstehe ich. Aber für Enthusiasten ist das Musik.
Ich sag’s, wie’s ist: Ich finde, solche Maschinen gehören in die Garage. Sie sind kein Alltagsfahrzeug, sondern was fürs Wochenende, fürs gute Wetter, fürs klare Hirn. Denn klar: Wer so ein Biest nicht beherrscht, steht schnell mit einem Bein im Knast.
Ehrlich? Ich wurde die letzten Male mit dem Auto geblitzt. Mit dem Motorrad: nie.
Eine Provida-Verfilmung gibt es, und die hat auch so ihre ihre Geschichte!
Und die Privatinsolvenz? Hatte damit nichts zu tun. Die Ducati wurde mir aus der Tiefgarage geklaut – die zweite Maschine übrigens – und die Versicherung hat bezahlt. Übermäßige Schulden? Gab’s deshalb keine.
Aber die Geschichte liegt mittlerweile schon eine ganze Weile zurück. Und ganz ehrlich: Das Mopedfahren hat sich für mich inzwischen erledigt. Zu laut, zu gefährlich, zu weit weg von dem, worauf es mir heute ankommt.
Das Urteil überlasse ich trotzdem gern anderen. Aber vielleicht schaut man künftig nicht nur auf den Preiszettel – sondern auch mal auf die Geschichte dahinter.
