Eigenanalyse
Um ein neutraleres Verständnis für die Diagnose bipolar zu vermitteln, habe ich ein Video von einem sehr kompetenten Chefarzt in der Rubrik „Bipolare Störung – Diagnostik“ hinterlegt.
„Ich empfehle ihn zu kabeln – mit anderen Worten: Dort finden Sie Kompetenz!“
(abgewandeltes Zitat aus Django)
Bevor es hier weitergeht, solltet ihr euch also unbedingt dieses Video anhören. Wirklich – erst dann macht der Rest hier Sinn.
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So. Nachdem wir nun die unterschiedlichen Phasen kennengelernt haben, halten wir fest, dass es auch euthyme Phasen gibt – also Phasen, in denen ich einfach ganz normal lebe. Weder himmelhochjauchzend noch zu Tode betrübt. Alltag eben.
Wenn ich dann höre, dass ein erheblicher Anteil – nämlich rund 80 % – genetische Voraussetzungen für die Krankheit sein sollen, schaue ich auf meine Familie, nein, auf meine Großfamilie, und stelle fest: Kein einziger Mensch mit dieser Diagnose. Nicht mal einer mit Verdacht auf sowas. Lediglich ein ein zu Weltruhm erlangter Künstler ist in der direkten Erbfolge vorhanden. Künstler – nicht Patient!
Suizidversuche hat es meinerseits auch nicht gegeben. Es sei denn, man zählt dazu, dass ich irgendwann ohne etwas Neues in der Hand meinen Job gekündigt habe. Ich habe das Bild vom Hochhaus-Springen ohne Fallschirm benutzt – und ja, das traf es in dem Moment ziemlich gut. Und das war tatsächlich damals ein psychiatrischer Notfall, wie wir in weiteren Blogbeiträgen noch kennenlernen werden.
Was das liebe Geld betrifft: Große Ausgaben? Seit meinem Rauswurf (ja ich weiß – ich hatte gekündigt) bei dem japanischen Konzern weder möglich noch vorhanden. Außer, dass ich mir ab und zu mal ein Paar Schuhe oder eine Hose über der Norm gekauft habe. Man gönnt sich ja sonst nichts.
Oder wie es im klinischen Setting schnell heißt: „auffälliges Konsumverhalten“. Danke für nichts.
In der Familienanamnese ist also nichts zu finden, was auf genetisch bedingte Bipolarität schließen lässt.
Wenn ich die aktuelle Situation betrachte, könnte man vielleicht von einer leichtgesteigerten Stimmung sprechen – ich habe ein paar KI-Songs erstellt, ein paar Fotocollagen gemacht und diese in kurzen Abständen veröffentlicht. Ja und? Für mich war das Selbsttherapie. Ausdruck. Beschäftigung. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.
Abgesehen davon war die Stimmung überwiegend gedrückt. Liebeskummer, Existenznot – das war das, was mein Leben bestimmt hat. Nicht Euphorie. Nicht Eskalation. Keine Filterblase. Realität.
Hier von einer „explosiven Mischung“ zwischen Depression und Manie zu sprechen, greift meiner Meinung nach völlig daneben. Denn die typischen Merkmale einer Manie waren bei mir schlichtweg nicht vorhanden. (ein Wutausbruch ist noch keine Manie!)
Was deutlich eher zutrifft, ist das, was Dr. Seemüller einmal als „hohe Kreativität über der Norm, aber unterhalb einer Bipolarität“ beschrieben hat. Diese Sichtweise würde ich bei mir durchaus gelten lassen.
Und: Seit mindestens 2020 gibt es meinerseits keinerlei Allmachtsfantasien mehr. Weder heimlich noch offen. Weder symbolisch noch klinisch auffällig.
Aus meiner Sicht reicht es deshalb nicht aus, nur an der Diagnose herumzudoktern. Man muss auch die zwischenmenschlichen Probleme benennen, die sich bei mir in den letzten Monaten – und darüber hinaus – aufgebaut haben.
Die haben nämlich sehr konkret mit dem Eintreten der Privatinsolvenz und mit der absurden Anzeige zu tun, ich sei ein Amokläufer. (Die Baseballschläger Nummer war übrigens nicht der Grund, oder warum prügelt man mich 2 Jahre später Nachts aus der Wohnung mit dem SEK?)
Die daraus resultierenden Folgen waren für mich nicht nur dramatisch, sondern auch völlig verstörend!
Weitere Ausführungen dazu werde ich in anderen Blogbeiträgen selbstverständlich noch nachreichen.
Ich möchte an dieser Stelle mit aller Deutlichkeit sagen: Ich bin nicht uneinsichtig, was die Krankheit betrifft. Es ist unstrittig, dass es in früheren Jahren manische Phasen gab. Aber ich kann und will nicht akzeptieren, dass die Schwierigkeiten der letzten Jahre – die geprägt waren von echter Existenznot – mir als genetisches Defizit oder fehlende Lernfähigkeit ausgelegt werden.
Oder, um es mit Susanne Profiler zu sagen:
„Das bist nur du – natürlich nur du, nie die anderen. Nur du, der das Problem ist.“
