Kötergedanken

Kötergedanken

Oder: Wie der Herr, so das Geschirr

Ich war gerade wieder mit meinem Köter draußen. Ja, ich weiß – „Köter“. Darf man das sagen? Sagt man das noch? Ich denke kurz nach und korrigiere mich selbst: Scooby Doo ist doch kein Köter!

Doch. Ist er. Zumindest im übertragenden Sinn. Denn „Köter“ ist kein fest definierter Begriff. Es gibt keine Hunderasse, die so heißt. Es ist eher ein Sammelbegriff – für die wild Gemixten, die Ungehobelten, die Unangepassten, die Kläffer, die Grummelbären mit Maulkorb, die Springer und die Schnüffler, die Dickköpfe und die Will-to-please-Kandidaten. Und wenn sie nicht erzogen sind? Dann sind es eben: Köter.

Scooby gehört auch (wieder) ein Stück weit dazu. Nicht, weil er doof wäre – ganz im Gegenteil. Sondern weil er klug genug ist zu wissen: „Bei dem ganzen Rumgereiche… jeder meint, er weiß wie’s geht – dann mach ich halt öfter mal mein eigenes Ding.“

Und ehrlich gesagt: Ich kann’s ihm nicht verdenken.

Ich mache meiner Familie keinen Vorwurf. Manche Erziehung ist vielleicht wirklich unnötig – andere wiederum wäre wünschenswert. Schön ist es jedenfalls nicht, wenn dein Hund plötzlich nicht mehr auf deine Kommandos hört. Wenn du merkst, dass du wieder von vorn anfangen musst.

Dabei wäre es gar nicht so schwer.

Aus meiner Sicht braucht es für Hundeerziehung drei Dinge: Konsequenz, klare Signale und regelmäßige – aber bitte nicht langweilige – Wiederholungen. Und, was gerne übersehen wird: Die richtige Konditionierung.

Damit ein Hund versteht, was du von ihm willst, braucht es eine sofortige Verknüpfung. Der Befehl – zum Beispiel Platz – muss am Anfang sofort belohnt werden. Nicht fünf Sekunden später, nicht erst, wenn du mit dem Handy fertig bist. Sofort.

Erst in späteren Lernphasen kann man das Ganze ausdehnen. Dann bleibt der Hund länger liegen, bevor die Belohnung kommt. Aber das ist ein Lernweg – mit Stufen. Nicht mit Abkürzungen.

Und jetzt kommt das eigentlich Interessante:

Wir Menschen sind da oft nicht besser.

Wir sagen: „Ich hab dir das doch gesagt!“ oder „Das hab ich dir doch gezeigt!“

Und glauben ernsthaft, das reicht.

Weil wir ja zivilisiert sind. Weil wir uns für rational halten. Weil wir keine Tiere sind – und der andere doch bitteschön verstanden haben muss, was ich will.

Aber Kommunikation funktioniert nicht durch Selbstüberzeugung, sondern durch Rückkopplung. Durch Wiederholung, Klarheit – und manchmal eben auch durch ein Leckerli zur richtigen Zeit.

Aber keine Sorge, ich will hier nicht den Hundeprofi geben. Dafür gibt’s Leute wie Martin Rütter und seine Zöglinge. Ich mag seine Programme – vor allem, wenn er die Eigenschaften der Hunderassen auf ihre Halter überträgt.

Denn, sind wir ehrlich: Wie der Herr, so das Geschirr!

Und genau da sind wir beim eigentlichen Thema:

Denn dieser Blog will keine rührende Geschichte über das Leben mit einer bipolaren Diagnose sein. Das könnt ihr bei mir voraussetzen. Es geht mir nicht um Mitleid oder Heldentum. Sondern darum, Dinge im Kontext zu zeigen.

Das Verhalten eines Menschen – genau wie das eines Hundes – ist kein isoliertes Phänomen. Es hängt zusammen mit allem, was passiert. Mit den Ereignissen, den Menschen, dem System, das zunehmend überfordert ist – in dieser immer schneller werdenden, exponentiellen Welt.

Dieser Blog ist also kein Ziel, sondern der Anfang einer Reise.

Eine Einladung, das Bild der Eskalation im Leben neu zu denken. Abseits von Diagnosen. Abseits von Kategorisierungen.

Freut euch auf viele weitere Geschichten. Einige davon reichen tief in die Vergangenheit. Manche sind lustig, manche erschreckend. Einige machen nachdenklich, andere wütend.

Aber alle haben eines gemeinsam:

Sie sind nicht dressiert.

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