Oder: Wenn Patchwork nur im Bilderbuch funktioniert
Entschuldigen Sie, wenn ich springe – aber bevor ich weiter darüber schreibe, wie ich zum Hund gekommen bin, folge ich meinem bewährten Schreibkonzept: Ich schreibe, wie es mir einfällt.
Wer Jahrzehnte an Beziehungs- und Lebenserfahrung mit sich rumschleppt, bekommt das ohnehin nicht mehr chronologisch auf die Reihe. Obwohl – wenn man wirklich will, ginge das wohl. Aber wer will schon.
Jugendamt. Der Klassiker.
Wie bereits erwähnt: Wenn Trennungen schmutzig werden, dann kommt man zwangsläufig in Kontakt mit dem Jugendamt. Ein echtes Dreamteam, wenn’s um Umgangsregelungen und elterliche Eskalation geht.
Lassen wir die emotionale Überforderung mal kurz links liegen – aus meiner Sicht hat jedes Kind ein Recht auf den Kontakt zum Elternteil, der nicht täglich das Pausenbrot schmiert.
Vorausgesetzt, es geht nicht um Gewalt oder Drogen. Oder beides. Dann bitte nicht.
Was mich dabei wundert: Warum ist der Standardsatz der Jugendamts-Profis eigentlich immer „Da machen Sie jetzt mal die Faust in der Tasche“?
Wahrscheinlich die Hoffnung, dass sich alles von selbst regelt, sobald beide Elternteile neue Partner gefunden haben.
Spoiler: tut es nicht.
Sportplatz, Patchwork & Pommes
Einige Zeit später. Ich, halbwegs wiederhergestellt, keine neue Partnerin, aber dafür einen Kofferraum voll Resignation und Resthoffnung, finde mich auf einem Sportplatz wieder.
Sie ist auch da. Und – Trommelwirbel – der Neue.
Während sechsjährige Kinder 2×8 Minuten der Pille hinterherlaufen, schwitzt das Elternkollektiv am Bier- und Pommesstand neben dem Vereinsheim.
Pure Lebensfreude. Fast schon Sat.1-Feeling.
Zwischen meiner Ex und mir? Mehr Funkstille als auf einem russischen U-Boot.
Irgendwann, um das unangenehme Schweigen zu umgehen, rufe ich meinem Sohn zu:
„Komm, Junge, wir essen ’ne Pommes.“
Und dann passiert’s.
Der Neue erhebt sich. Der Kinderschutzbeauftragte von Nebenan.
„Ne, das darf er nicht.“
Ich so: „Wie bitte?“
Er: „Das würdest du nicht verstehen.“
Ah ja. Ich, Vater. Zu dumm für Kartoffelstäbchen.
Die Sache mit der Nähe
Ich – diplomatisch wie ein Wetterumschwung – gehe ein paar Schritte auf meine Ex zu.
Ernst, aber ruhig:
„Bitte sag deinem Kerl, er soll sich raushalten. Ich lass mir nicht verbieten, meinem Sohn ’ne Pommes zu kaufen.“
In dem Moment schaltet sich der Pommespolizist wieder ein, drückt mir mit der Hand auf die Schulter und meint nur:
„Nicht so nah.“
Und dann – Vorhang auf – eskaliert der Sportplatzmoment.
Ich schmeiße meinen Regenschirm weg (ja, es hat auch noch geregnet) und brülle über das halbe Feld:
„Willst du auf’s Maul?!“
Natürlich passiert nichts. Keine Schlägerei. Keine Klopperei. Kein RTL2-Dreh.
Aber: Jetzt hatte ich die Aufmerksamkeit von allen.
Die Blicke? Eindeutig.
„Boah, der arme Neue… und was für ein schrecklicher Exmann das wohl war…“
Der Moment ist nicht das Ganze
Warum ich diesen alten Käse überhaupt erzähle?
Weil Menschen unglaublich schnell urteilen.
Ein Moment, ein Ausraster, ein Brüller – und zack: Schublade zu, Etikett drauf.
Was niemand hört: die Jahre davor. Die ständigen kleinen Nadelstiche. Das zermürbende Gefühl, als Vater permanent als Problemfall dargestellt zu werden.
Und wenn Kinder über Jahre hinweg nur eine Seite hören – dann wird’s schwierig mit der Wahrheit.
Heute?
Sehen meine Kinder die Dinge anders.
Klarer.
Und wenn sie Lust haben, nehmen sie mein Mentoring an. Nicht, weil sie müssen. Sondern weil ich vielleicht doch nicht ganz so irre bin, wie der Pommesplatz damals vermuten ließ.
Man lernt ja dazu. Irgendwann. Auch mit leerem Magen.
